{"id":157,"date":"2023-12-22T15:04:24","date_gmt":"2023-12-22T14:04:24","guid":{"rendered":"https:\/\/anarchistischebuechermesse.noblogs.org\/?p=157"},"modified":"2023-12-22T15:09:39","modified_gmt":"2023-12-22T14:09:39","slug":"tod-fuer-die-akademie-und-dessen-kollaborateure","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anarchistischebuechermesse.noblogs.org\/?p=157","title":{"rendered":"TOD DER AKADEMIE UND DEREN KOLLABORATEURE"},"content":{"rendered":"<p><i>Von <a href=\"https:\/\/expandiendolarevuelta.noblogs.org\/post\/2021\/01\/01\/muerte-a-la-academia-y-sus-colaboradores\/\">Expandiendo la Revuelta<\/a>, die \u00dcbersetzung ist von uns.<\/i><\/p>\n<p>Wovon sprechen wir, wenn wir die Akademie nennen, und was wollen Anarchist*innen von ihr?<br \/>\nUm eine Kritik der Akademie zu beginnen, m\u00fcssen wir uns in den Kontext einordnen, insbesondere in das vom argentinischen Staat beherrschte Territorium, wo das akademische Bollwerk als Symbol des Kampfes, der Gratifikation und der Linken mit der anarchistischen Geschichte verflochten ist, auf mehr oder weniger informelle Weise in der Vergangenheit und auf direkt rekuperative Weise in der Gegenwart.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wenn wir von der Akademie sprechen, beziehen wir uns auf die repr\u00e4sentativen Institutionen des Staates, die sich der intellektuellen Produktion, ihrer symbolischen Aufrechterhaltung und der Rechtfertigung ihrer Bedeutungen widmen. In diesem Fall sind die Universit\u00e4ten, sowohl die privaten als auch die staatlichen, eine Stufe h\u00f6her angesiedelt als der Schulunterricht, insofern dieser sich auf die Verhaltenskonditionierung konzentriert und der Vorbereitung der staatsb\u00fcrgerlichen, normativen, evaluativen und doktrin\u00e4ren Erziehung gewidmet ist. W\u00e4hrend die Akademie, mit den zuvor von der Kinder- und Jugendp\u00e4dagogik gef\u00fchrten Wegen, R\u00e4ume der \u201eFreiheit\u201c f\u00fcr die Produktion aufl\u00f6st, aber nicht mehr als das gemeine Staatsb\u00fcrgertum, sondern als die intellektuelle Autorit\u00e4t, die die R\u00e4ume verwalten wird, in denen diejenigen, die es nicht geschafft haben, ihre Posten zu erreichen, von ihnen geordnet, koordiniert und zur\u00fcckgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Aber lasst uns speziell \u00fcber die Logik des akademischen Tuns in der Produktion von Bedeutung sprechen, d.h. \u00fcber die Art und Weise, wie Akademiker die Argumente des Staates\/Kapitals formen. In diesem Sinne ist die Struktur einer solchen Institution zwar hierarchisch, indem sie die Mehrheit der Studierenden und sp\u00e4tere Autorit\u00e4ten in untergeordnete Positionen bringt, aber gleichzeitig speisen sich die hierarchischen Positionen und das \u201ePrestige\u201c der Institution selbst aus der Produktion, die sie hervorbringen kann, d.h. die intellektuelle Produktion (die offensichtlich von der Institution selektiert, reguliert und akzeptiert wird), die von ihren Vertretern ausgearbeitet wird, ist das, was das Funktionieren der Akademie selbst rechtfertigt. Eine Akademie, die keinen Sinn produziert, die kein Material bearbeitet, die nicht aufz\u00e4hlt, die nicht klassifiziert, die keine Demonstrationen ihrer Effizienz schafft, ist sinnlos, wie jedes Unternehmen des Kapitals.<\/p>\n<p>Was wir paradox finden, ist die Vorstellung, dass einige selbsternannte Rebellen oder Antiautorit\u00e4re diesen Institutionen auf Schritt und Tritt vertrauen, sie guthei\u00dfen, verteidigen und rechtfertigen. Hier ist es auch notwendig klarzustellen, dass wir nicht gegen intellektuelle Vertiefung sind, gegen die notwendige Forschung, um unsere Geschichte, unsere Projektionen und Positionen zu kennen, wir stellen akademisches \u201eWissen\u201c nicht gegen eine klassische Negation des Faschismus, sondern wir bekr\u00e4ftigen, wie Wolfi Landstreicher seinen Beitrag betitelt, dass wir \u201eWeder Intellektualismus noch Dummheit\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> wollen.<\/p>\n<p>Aber angesichts solcher Kritik fehlt nie die opferhafte Rechtfertigung der Akademiker, die sich haupts\u00e4chlich auf das \u00f6konomische Wohlergehen st\u00fctzt, \u201eman muss ja von irgendetwas leben\u201c, das klassische Spiel, um die eigenen Privilegien und Aktionen in der Unterdr\u00fcckung des Kapitals zu bekr\u00e4ftigen und auf diese Weise die Achse in der Konkurrenz der Unterdr\u00fcckungen zu verschieben, aber das steht nie zur Diskussion, oder wovon leben diejenigen von uns, die ihre Produktion nicht direkt an den Staat verkaufen? Es w\u00e4re eine ebenso mittelm\u00e4\u00dfige Kritik zu behaupten, dass es mehr oder weniger \u201eethische\u201c Jobs gibt, das ist nicht unser Problem (ist es notwendig klarzustellen, dass Polizist, Politiker, Gewerkschafter\/Syndikalist zu sein, keine \u201eJobs\u201c sind?), sondern unsere Geschichte, unsere Leidenschaften, unsere anarchischen Positionen zu einem vom Staat vermittelten Produkt zu machen.<\/p>\n<p>Hier kommen wir auf diesen Kontext zur\u00fcck, denn von Osvaldo Bayer und Martin Caparros bis zu Anibal D&#8217;auria und dem CEDINCI finden wir Vertreter des Staates und des Kapitals, die anarchistische Ideen zu Studien- und Konsumobjekten machen, das hei\u00dft, sie benutzen die Erfahrungen von Gef\u00e4hrt*innen, die ihr Leben f\u00fcr den sozialen Krieg gaben und geben, um dieselben Institutionen zu argumentieren, die sie ermordet haben.<\/p>\n<p>Das erste ist die fehlende Kritik der \u201erebellischen\u201c Intellektuellen an den Institutionen unserer Feinde, oder jedenfalls die reformistische und linke Kritik, die sich nur in Formver\u00e4nderungen, aber niemals in der radikalen Zerst\u00f6rung des Kapitals und seiner Institutionen \u00e4u\u00dfert. Und zweitens das extrem laue, universit\u00e4re, staatsb\u00fcrgerliche Prisma, mit dem die Intellektuellen ihre Diskurse um die Anarchie aufbauen, was uns nicht \u00fcberrascht, was uns aber Unbehagen bereitet, wenn wir daran denken, dass solche Diskurse von einigen Gef\u00e4hrt*innen, die diesen Vertretern die Hand sch\u00fctteln, akzeptiert werden.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nicht auf die demokratischen Diskurse hereinfallen, die von Vielfalt (A.d.\u00dc., Diversit\u00e4t) sprechen, wenn die Vielfalt den Staat einschlie\u00dft, es scheint uns klar zu sein, dass die Verharmlosung des Anarchismus durch die Akademie statt der Bed\u00fcrfnisse des Aufstandes Diskurse reproduziert, die uns auf \u201ekulturelle Bewegungen\u201c, auf blo\u00dfe Versuche von Arbeitsreformen oder legalistische K\u00e4mpfe reduzieren, und auf das Bild der angeblichen M\u00e4rtyrer*innen, die \u201eihr Leben f\u00fcr das Volk geben\u201c, es gen\u00fcgt, die Gef\u00e4hrt*innen zu lesen, um zu verstehen, dass dies nie der Fall war und sich umzusehen, um zu sehen, dass es so viele andere gibt, die au\u00dferhalb und in Opposition zu jeder Institution Reflexionen, Debatten, Aktivit\u00e4ten, Publikationen und Propaganda jeglicher Art aufbauen.<\/p>\n<p>Aber jetzt wiederholen wir uns noch einmal, warum gibt es dann Gef\u00e4hrt*innen, die diesen Institutionen und ihren Vertretern die Hand sch\u00fctteln? Und zum Teil ist es notwendig, die Verantwortung f\u00fcr die leeren R\u00e4ume zu \u00fcbernehmen, f\u00fcr den Platz, den wir diesen linken Vorschl\u00e4gen in unseren Reihen lassen, d.h. die fehlende Forschungsproduktion aus unseren Vorschl\u00e4gen und Praktiken, die geringe redaktionelle Produktion in den letzten Jahren und die geringe akademische Kritik (zumindest nach au\u00dfen hin), die wir aus\u00fcben, das bedeutet nicht, sich auf Machtspiele einzulassen, die uns nicht interessieren, sondern zu verstehen, dass die R\u00e4ume, die wir nicht besetzen, von denen genutzt werden, die von ihren bequemen Pl\u00e4tzen aus, von ihren \u00f6konomischen Mitteln und ihren Privilegien strenggl\u00e4ubig beschlie\u00dfen, unsere Geschichte f\u00fcr intellektuelles Prestige und Staatsbesitz zu nutzen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns vor Augen halten, dass dies unsere historische Zeit ist, dass wir nach dem Sturz der sozialistischen Diktaturen und nachdem wir im Laufe der Jahre die Konsequenzen unserer Vorschl\u00e4ge aufgezeigt haben, eine echte Gefahr f\u00fcr den Staat und das Kapital sein k\u00f6nnen, lassen wir unser Potenzial nicht in die H\u00e4nde der Rekuperatoren fallen, lassen wir nicht zu, dass unsere Leidenschaften unter dem Prisma derjenigen konditioniert werden, die die Geschichte von ihrem Schreibtisch aus sehen, dass unsere Barrikaden auch mit den Ideen brennen, die keine Position beziehen, die an einem Tag Messen in der Nationalbibliothek und am n\u00e4chsten Tag eine anarchistische Buchmesse abhalten, wir m\u00fcssen unsere Realit\u00e4t, unsere Praktiken betonen und die Anarchie in all ihren Formen verteidigen.<\/p>\n<p>Einer unserer historischen Vorschl\u00e4ge ist die Konsequenz zwischen Zielen und Mitteln. Die libert\u00e4re P\u00e4dagogik hat sich immer in Opposition zur staatlichen Bildung gestellt und weder deren Bedingungen noch deren Klassifizierung akzeptiert. Genauso wie Hunderte von Gef\u00e4hrt*innen angesichts des Mangels an Mitteln f\u00fcr die Produktion von Propaganda beschlossen, dem Kapital die Mittel zu deren Durchf\u00fchrung zu enteignen. Und heute funktionieren die Dutzende von Verlagen und anarchistischen Projekten im S\u00fcdkegel ohne andere Mittel als die der Leute, die sie zusammenstellen, und der Bewegung, die an ihrer Produktion interessiert ist. Damit wollen wir sagen, dass unser Anliegen nicht einfach eine personalistische oder ideologische Beschwerde \u00fcber anarchistische symbolische Bedeutungen ist, sondern die notwendige Trennung zwischen denen, die an der Anarchie teilnehmen und f\u00fcr sie k\u00e4mpfen, egal welcher Tendenz (A.d.\u00dc., Str\u00f6mung) sie angeh\u00f6ren, von denen, die wirklich Kritik an der herrschenden Ordnung \u00fcben, und denen, die sich hinter akademischem Geschwafel verstecken, um keine Position zu beziehen, von denen, die anonym bleiben und ihre Worte in die Tat umsetzen, und denen, die sich als intellektuelle Vertreter von Projekten aufspielen, an denen sie kein Interesse haben.<\/p>\n<p>Und sie werden uns sagen: Wir Akademiker*innen k\u00f6nnen also nicht \u00fcber Anarchie sprechen? Das ist nicht unser Problem, und es w\u00e4re heuchlerisch, dass sie es jetzt fragen, f\u00fcr uns werden die Institutionen des Staates niemals in der Lage sein, die Freiheit herbeizuf\u00fchren, f\u00fcr uns liegt die Kraft unserer Ideen nicht in den von unserem Feind vorgegebenen Becken, sondern in den Praktiken, die ihn konfrontieren, die seine Zerst\u00f6rung ohne jedes Verschweigen fordern, f\u00fcr uns liegt die Anarchie nicht in den Mitteln, mit denen wir das Elend des Kapitals \u00fcberleben k\u00f6nnen, weil der Antrieb zum Leben nicht in der Arbeit liegt, sondern in den Momenten, in denen wir unser Bestes tun, um uns gegen die Autorit\u00e4t zu verschw\u00f6ren, deshalb akzeptieren wir ihre Rechtfertigungen nicht, nicht wegen des Versuchs eines M\u00e4rtyrers, so zu tun, als ob die Propaganda aus dem Leiden entspringt, sondern weil wir in Frage stellen, dass ihre Orte der Privilegien nur Sinne hervorbringen, die jeder Idee von Freiheit und revolution\u00e4rem Vorschlag antagonistisch sind.<\/p>\n<p><i>Expandiendo la Revuelta,<\/i> Dezember 2020.<\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>A.d.\u00dc., <a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2020\/05\/21\/weder-intellektualismus-noch-dummheit\/\">hier<\/a> zu lesen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Expandiendo la Revuelta, die \u00dcbersetzung ist von uns. 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