{"id":98,"date":"2023-11-15T18:34:34","date_gmt":"2023-11-15T17:34:34","guid":{"rendered":"https:\/\/anarchistischebuechermesse.noblogs.org\/?p=98"},"modified":"2023-11-15T18:34:34","modified_gmt":"2023-11-15T17:34:34","slug":"einige-reflexionen-rund-um-die-anarchistische-edition-und-die-demokratische-rekuperation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anarchistischebuechermesse.noblogs.org\/?p=98","title":{"rendered":"Einige Reflexionen rund um die anarchistische Edition und die demokratische Rekuperation"},"content":{"rendered":"<p><em>Text von <a href=\"https:\/\/expandiendolarevuelta.noblogs.org\/files\/2021\/06\/biblio-zaragoza-completo.pdf\">expandiendo la revuelta<\/a>, die \u00dcbersetzung ist von uns.<\/em><\/p>\n<p><strong>Einige Reflexionen rund um die anarchistische Edition und die demokratische Rekuperation.<\/strong><\/p>\n<p>Er\u00f6ffenung der Bibliothek in Caza Zaragoza am 19. Juni 2021.<\/p>\n<p>Von Expandiendo la Revuelta.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eZweifellos wird man sagen, dass alle Werkzeuge auf unsere Freiheit abzielen, da sie die Instrumente einer m\u00f6glichen Aktion sind und dass das Kunstwerk in dieser Hinsicht nicht spezifisch ist. Und es ist wahr, dass das Werkzeug der verdichtete Umriss einer Operation ist. Aber es bleibt auf der Ebene des hypothetischen Imperativs: Ich kann einen Hammer benutzen, um eine Kiste zu nageln oder um meinem Nachbarn den Kopf einzuschlagen. F\u00fcr sich betrachtet ist ein Werkzeug keine Voraussetzung f\u00fcr meine Freiheit, es stellt mich nicht vor sie, sondern versucht, ihr zu dienen, indem es die freie Erfindung von Mitteln durch eine geordnete Abfolge von traditionellen Verhaltensweisen ersetzt.<\/p>\n<p>Das Buch dient nicht meiner Freiheit: Es verlangt sie. In der Tat w\u00e4re es nicht m\u00f6glich, sich der Freiheit als solcher durch Druck, Faszination oder Flehen zu n\u00e4hern. Um sie zu erreichen, gibt es nur ein Verfahren: sie zun\u00e4chst anzuerkennen und ihr dann zu vertrauen; kurz gesagt, von ihr einen Akt im Namen ihrer selbst zu verlangen, d. h. im Namen des Vertrauens, das man ihr entgegenbringt. Auf diese Weise ist das Buch nicht wie das Werkzeug ein Mittel mit einem bestimmten Ziel; das Buch schl\u00e4gt die Freiheit des Lesers als sein Ziel vor\u201c.<\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnung einer Bibliothek ist immer ein Ereignis, das uns mit Freude erf\u00fcllt, vor allem, wenn sie mit Verbindungen und Forderungen einhergeht, die auf eine kritische und antiautorit\u00e4re Sichtweise setzen.<\/p>\n<p>In unserem Fall, als anarchistischer Verlag, glauben wir, dass es notwendig ist, durch die Ver\u00f6ffentlichung von Material und vor allem durch die Reflexion \u00fcber das, was wir als eine Reihe von Debatten \u00fcber den Zweck von Propaganda und ihre anarchistische Positionierung betrachten, einige Beitr\u00e4ge zu leisten.<\/p>\n<p>Wenn wir kurz auf die umfangreiche anarchistische Geschichte in Buenos Aires zur\u00fcckblicken, war die Ver\u00f6ffentlichung von Lesematerial eine der S\u00e4ulen, von denen aus Treffen und gemeinsame Affinit\u00e4ten projiziert wurden, in diesem Sinne die Ver\u00f6ffentlichung von Publikationen, von der ersten Gro\u00dfauflage \u201eEl perseguido\u201c im Jahr 1890, \u00fcber \u201eLa Protesta\u201c, die 1897 begann, oder \u201eLa antorcha\u201c im Jahr 1921, Sie hatten aber nicht nur die \u201eFunktion\u201c, eine Botschaft zu vermitteln oder ein \u201eIdeal\u201c zu teilen, sondern informierten auch \u00fcber Treffen und Aktivit\u00e4ten, sammelten Spenden f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung oder Gefangene und stellten Verbindungen zwischen den verschiedenen Publikationen und R\u00e4umen her. Auf diese Weise leisteten die anarchistischen Verlage, die keine zentrale Organisation oder irgendeine Art von Anf\u00fchrer hatten, einen Beitrag sowohl \u201einnerhalb\u201c als auch \u201eau\u00dferhalb\u201c der Bewegung, und obwohl es immer wieder Differenzen gab, k\u00f6nnen wir heute die Geschichtlichkeit, die Debatten und Spannungen genau aus diesen Archiven heraus nachvollziehen und sie so in der Gegenwart nutzbar machen.<\/p>\n<p>Der 1961 gegr\u00fcndete Verlag Reconstruir hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Reihe von Netzwerken und R\u00e4umen wiederzubeleben, die zun\u00e4chst durch die Diktatur der 1930er Jahre und dann durch den peronistischen Vormarsch unter Repression gelitten hatten, auf diese Weise funktionierte Reconstruit, sowohl um klassiche Texte zu retten, wie auch um gegenw\u00e4rtige Debatte der Zeit vorzuschlagen, die von der kubanischen Revoltuion, \u00fcber den Existenzialismus, bis hin zum Krieg im Vietnam gingen. Wir k\u00f6nnen auch die Arbeit von \u201eLa Protesta\u201c w\u00e4hrend dieser Jahrzehnte und ihre konstante Funktion der Aufrechterhaltung der anarchistischen Ideologie finden, sogar bis weit ins 21. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Diese Publikationen wurden jedoch w\u00e4hrend der letzten Milit\u00e4rdiktatur 1976 wieder eingestellt, und erst 1983 kam es zu einer neuen Welle von Ausgaben in Form verschiedener Anarkopunk-Fanzines und einiger Publikationen mit eher \u201egegenkulturellem\u201c Charakter, die die Bestrebungen der so genannten \u201eneuen Linken\u201c unter einer gewissen anarchischen \u00c4sthetik verbargen. An dieser Stelle wollen wir uns mit dem auseinandersetzen, was wir als eindeutige Absicht ansehen, anarchistische Ideen wiederzugewinnen, um auf verschiedene reformistische, akademische und sogar kommerzielle Absichten einzugehen.<\/p>\n<p>Ganz allgemein k\u00f6nnen wir sagen, dass nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der Repression der verschiedenen lateinamerikanischen Diktaturen in den 70er und 80er Jahren, der marxistisch-leninistische Horizont die vermeintlich revolution\u00e4ren Hoffnungen mit seinen gro\u00dfen Armeen fallen sah, so kann von einer neuen Linken gesprochen werden, von \u201eneuen Wegen, Politik zu machen\u201c, und jeder Versuch, einen bewaffneten Aufstand zu f\u00f6rdern, wurde teilweise zunichte gemacht, wie zum Beispiel die von der gesamten \u201enationalen Linken\u201c diktierte Ablehnung der \u00dcbernahme der La Tablada-Kaserne im Jahr 1989 zeigt.<\/p>\n<p>So gewannen die anarchistische Praxis und die anarchistischen Ideen f\u00fcr einige redaktionelle Bereiche wieder an Bedeutung und fanden verschiedene Annehmlichkeiten, zum Beispiel die Tatsache, dass es sich um eine Geschichte handelte, die bereits fast hundert Jahre alt war, d.h. viele Gef\u00e4hrt*innen hatten nicht die M\u00f6glichkeit, auf diese Visionen zu reagieren, und das bedeutete offensichtlich eine \u201eFreiheit\u201c f\u00fcr viele Intellektuelle, Akademiker und demokratische Schriftsteller, die in der anarchistischen Geschichte einen Raum sahen, den sie ohne Ressentiments ausnutzen konnten.<\/p>\n<p>Auf diese Weise finden wir eine Reihe von Menschen und staatlichen R\u00e4umen, die eine Rekuperation unserer Erinnerung (A.d.\u00dc., im Sinne der Geschichte) von einer staatsb\u00fcrgerlichen und linken, ja sogar nationalistischen Perspektive aus betreiben und sogar behaupten, dass wir Teil der \u201eargentinischen Geschichte\u201c sind. Von Dora Barrancos \u00fcber Martin Caparros bis hin zu Cedinci finden wir eine klare Linie, die einerseits der Verharmlosung anarchistischer Ideen und Praktiken und andererseits der Verfolgung akademischer Karrieren in den H\u00e4nden des Staates, d.h. auf der Suche nach Macht, vorgeworfen wird.<\/p>\n<p>Das ist jedoch nur ein Teilaspekt der Situation, denn wenn wir den Blick auf andere Bereiche \u00f6ffnen, finden wir auch staatlich finanzierte Filme und Theaterst\u00fccke, die uns einen klaren Versuch erkennen lassen, den Anarchismus von seinem aufst\u00e4ndischen Inhalt zu entleeren, so wie es zum Beispiel in den letzten Jahrzehnten mit der Geschichte der verschiedenen indigenen V\u00f6lker geschehen ist. Aus der Perspektive des Progressivismus und der Linken wird so die v\u00f6lkerm\u00f6rderische Geschichte des argentinischen Staates reingewaschen und einige bestimmte Personen werden als S\u00fcndenb\u00f6cke benutzt, sei es Julio Argentino Roca, Oberst Varela, Videla oder Menem, w\u00e4hrend die indigenen V\u00f6lker unaufh\u00f6rlich verfolgt und die anarchistischen R\u00e4ume ger\u00e4umt werden und von Repression getroffen werden.<\/p>\n<p>Damit wollen wir uns nicht selbst zum Opfer machen, sondern lediglich auf einen repressiven Prozess hinweisen, der einerseits mit der Kommerzialisierung und Trivialisierung der Anarchie und andererseits mit Inhaftierung und Mord hinter verschlossenen T\u00fcren und meilenweit entfernt zu tun hat.<\/p>\n<p>Das wird auch an dem Etikett der \u201eEingeschleusten\u201c deutlich, das uns der Kirchnerismus und die Linke w\u00e4hrend des Verschwindens von Santiago Maldonado aufgedr\u00fcckt haben, d.h. einerseits wurde eine Maske der \u201eSolidarit\u00e4t\u201c , der \u201eGerechtigkeit\u201c aufgesetzt, und gleichzeitig wurden die Ideen von Lechuga (A.d.\u00dc., ein Spitzname von Santiago Maldonado) unsichtbar gemacht und eine politische Kampagne in seinem Namen durchgef\u00fchrt, die sogar so weit ging, dass versucht wurde, einen Film zu ver\u00f6ffentlichen, der gl\u00fccklicherweise sowohl in Buenos Aires als auch in verschiedenen Teilen Argentiniens boykottiert wurde.<\/p>\n<p>Um noch einmal auf das Verlagswesen und die Propaganda zur\u00fcckzukommen: Wir glauben, dass es heute mehr denn je notwendig ist, sich zu positionieren, da wir nicht wollen, dass anarchistische Ideen zum Konsum werden oder nur ein weiterer Raum, in dem sich Intellektuelle von der Nationalbibliothek aus sich gegenseitig einen runterholen, obwohl diese sicherlich auch weiterhin von staatlichen Institutionen finanziert werden, heute sind wir viel mehr von der Notwendigkeit \u00fcberzeugt, unseren Gedankengut aus der Konsequenz zwischen Mitteln und Zielen zu festigen, so finden wir Publikationen und Verlage wie \u201eAnarquista\u201c, \u201eGatx Negrx\u201c oder \u201eL\u2019anomia\u201c, und in j\u00fcngster Vergangenheit die Ver\u00f6ffentlichungen von \u201eAbrazando el Caos\u201c oder die \u201eAnarqu\u00eda\u201c-Ausgaben, um nur einige Beispiele zu nennen.<\/p>\n<p><em>Deshalb geht es uns nicht um die Ver\u00f6ffentlichung von B\u00fcchern als Selbstzweck, obwohl uns das Spa\u00df macht und es zweifellos ein Aspekt ist, in dem wir uns auch wohlf\u00fchlen, sondern als Mittel zur Revolte, vor allem aber f\u00fcr die anarchistische Bewegung und R\u00e4ume. Auch wenn wir unsere Reflexionen nicht von einem erleuchteten Standpunkt aus denken, sind wir der Meinung, dass die Mittel viel mehr \u00fcber die Ziele aussagen als die Titel, denn Anarchie findet sich nicht in den B\u00fcros der Macht und auch nicht in den vermeintlich \u201eguten Absichten\u201c der heutigen Linken, sondern im praktischen aufst\u00e4ndischen und autonomen Einsatz derjenigen, die sich als solche bekr\u00e4ftigen und mit ihren Worten einen Schritt weiter in Richtung sozialer Krieg gehen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text von expandiendo la revuelta, die \u00dcbersetzung ist von uns. Einige Reflexionen rund um die anarchistische Edition und die demokratische Rekuperation. Er\u00f6ffenung der Bibliothek in Caza Zaragoza am 19. Juni 2021. 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